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Diagnose Mittelstand 2017: die Trends

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Der Mittelstand ist der wichtigste Teil der deutschen Wirtschaft – dementsprechend wichtig ist es, dass er für die zukünftigen Herausforderungen gewappnet ist. Seine Innovationskraft in der Digitalisierung entscheidet dabei mit über Erfolg oder Misserfolg in den kommenden Jahren.

Wie bei allen bahnbrechenden Neuerungen gibt es bei der Digitalisierung für die mittelständischen Unternehmen nur wenige feste Orientierungspunkte. Welche Investitionen sich wann lohnen, lässt sich kaum verlässlich vorhersagen. Die Antwort wird auch je nach Branche, Größe des Unternehmens und Wettbewerbsverhältnisse unterschiedlich ausfallen. Daher ist die abwartende Haltung vieler Mittelständler verständlich.

Die Transformation läuft schleppend

Das spiegelt sich auch in den Umfrageergebnissen der Diagnose Mittelstand 2017 wider: Nur 10,4 Prozent der 403 befragten Sparkassen sagen, dass ihre Firmenkunden einen „fortgeschrittenen“ Stand bei der Digitalisierung aufweisen können. In 77,6 Prozent der Unternehmen sei die Digitalisierung zumindest schon „in Teilbereichen umgesetzt“.

Am besten auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet ist die Industrie. Das Stichwort „Industrie 4.0“ nehmen sich die Unternehmen offenbar zu Herzen: 62 Prozent haben der Umfrage zufolge einen „weit fortgeschrittenen oder fortgeschrittenen“ Stand bei der Digitalisierung. Ein Drittel hat sie „in Teilbereichen umgesetzt“. Es folgen der Dienstleistungssektor und der Handel, wo 34,6 beziehungsweise 27,1 Prozent der Unternehmen „weit fortgeschritten oder fortgeschritten“ bei der Digitalisierung sind. Im Baugewerbe trifft das nur auf jeden 32. Betrieb zu, im Handwerk sogar nur auf jeden 83.

Wenige Überraschungen ergeben sich für den Stand der Digitalisierung bei der Betrachtung der Unternehmen nach Umsatzgröße. Je größer die Firmen, desto fortschrittlicher sind sie in der Regel. Handlungsbedarf besteht vor allem bei den Mittelständlern mit einem Umsatz von bis zu fünf Millionen Euro. Lediglich jeder Fünfundzwanzigste hat schon tiefergreifende Digitalisierungsmaßnahmen umgesetzt.

Erleichterungen durch die Politik nötig

Als größtes Digitalisierungs-Hemmnis sehen die befragten Sparkassen die Mentalität in den Unternehmen. An zweiter Stelle nannten sie die (mangelnde) Qualifikation der Mitarbeiter. Außerdem scheuen viele Mittelständler offenbar den Investitionsaufwand. Dabei ist es einer der größten Vorteile der Digitalisierung, dass sie langfristig die Kosten senken und die Effizienz steigern kann.

Angesichts dieser Befunde sollte die Wirtschaftspolitik weitere Anstrengungen unternehmen, um die Digitalisierung im deutschen Mittelstand zu erleichtern. Dazu gehören der schnelle Ausbau der Glasfasernetze, die weitere Anpassung des Rechtsrahmens sowie Investitionen in Bildung und Ausbildung. Aber auch eine (noch) höhere Priorisierung des Themas ist nötig. Dies könnte durch Schaffung eines eigenen Ressorts in der Bundesregierung nach dem Vorbild der EU-Kommission geschehen.

Abgesehen vom Schwerpunktthema Digitalisierung enthält auch die Diagnose Mittelstand 2017 wieder eine Analyse zur Lage des Mittelstands in Deutschland. Die Mehrheit der befragten Sparkassen beurteilt diese als gut, was mit dem gesamtwirtschaftlichen Befund eines soliden Aufschwungs übereinstimmt. Allerdings stößt der Aufholprozess mehr und mehr an Grenzen und geht in eine Seitwärtsbewegung über.

Mehr Informationen zur wirtschaftlichen Lage des Mittelstands finden Sie hier zum Download:

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