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Differenzierte Regulierung – umfassend für die großen, angepasst für kleinere und mittlere Banken

Bewertung

Während der Finanzkrise war die Vielfalt der deutschen Kreditwirtschaft ein wesentlicher Stabilitätsanker. Die Struktur kleiner und mittlerer Banken hat zur Widerstandsfähigkeit der Finanzwirtschaft in Deutschland beigetragen. Deshalb ist es wichtig, dass Größe und Risiko die entscheidenden Variablen bei der Regulierung sind. Die Lösung für eine solche wirksame Proportionalität wäre eine „Small and Simple Banking Box“. Regional tätige Institute und solche mit einfachem Geschäftsmodell müssen anders behandelt werden als große, international tätige Bankkonzerne. Eine Ansicht, die nun auch in den USA vertreten wird.

Eindeutige Worte aus dem Weißen Haus

In Washington, D.C. besteht Einigkeit darüber, dass eine differenzierte Regulierung nach „klein“ und „groß“ für die Finanzmarktstabilität wichtig ist. Wie die deutschen Sparkassen, vergeben die amerikanischen “Community Banks” rund die Hälfte der Kredite für kleine und mittelständische Unternehmen. Sie sind somit der Motor für das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt, wie das Weiße Haus hervorhebt. Wie die Trump-Administration mitteilt, wird die Ansicht vertreten, dass die Leidtragenden einer „one-size-fits-all“-Regulierung die Community Banks sind  – und die Regulatorik entsprechend angepasst werden soll (https://www.whitehouse.gov/the-press-office/2017/03/09/readout-president-donald-j-trumps-national-economic-council-listening).

65 Mitarbeiter für die operative Umsetzung regulatorischer Vorschriften

Regulierung, die eigentlich für internationale Großbanken gemacht wurde, engt die Kreditspielräume für kleinere Banken ein. Beispiel: Eine Sparkasse mit 7 Mrd. Euro Bilanzsumme beschäftigt 65 Mitarbeiter nur mit der operativen Umsetzung regulatorischer Vorschriften – das ist zu viel und geht zu Lasten der Rentabilität von kleineren und mittleren Finanzdienstleistern, wie die Sparkassen.

Bei klassischen Retail-Kreditinstituten mit überschaubarer Größe und einfachem Geschäftsmodell reichen abgespeckte Regeln, um das gleiche Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Konkret müssen Meldepflichten reduziert und auf eine generelle Offenlegungspflicht verzichtet werden. Auch bei der Berechnung des Marktrisikos und bei der Dokumentation der Vergütungsregeln ist „einfacher“ „besser“.  Es geht darum, künftig für Kreditinstitute mit weniger komplexen Geschäftsmodellen von vornherein weniger umfangreiche Regulierungen zu erreichen.

Europa braucht eine zielgerichtete und ausgewogene Regulierung

Was die Kreditinstitute in Europa brauchen, ist deshalb eine zielgerichtete und ausgewogene Regulierung anhand des jeweiligen Risikogehaltes und Geschäftsmodells. Das bedeutet, dass international agierende Bankkonzerne auch weiterhin sehr genau unter die Lupe genommen werden müssen. Hierfür muss die europäische Aufsicht, quasi auf Augenhöhe, sorgen. Für den Rest gilt, dass sie gemäß ihres Geschäftsmodells mit einer angepassten Regulierung überwacht werden.

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