weitere Artikel

IWH-Studie zur politisch beeinflussten Kreditvergabe von Sparkassen ist falsch

Bewertung

Autor

Alexander von Schmettow

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) hat seine bereits im August angekündigte und erst jetzt veröffentlichte Studie zur „politisch motivierten Kreditvergabe“ der Sparkassen zum Anlass genommen, erneut Medienarbeit zu betreiben. Das IWH hat seit einem Jahr einen neuen Präsidenten, Professor Reint E. Gropp, da ist ein bisschen Publicity sicherlich erwünscht. Der zentrale Vorwurf, dass Sparkassen in Wahlkampfzeiten vermehrt Kredite vergeben, um Wahlergebnisse zu beeinflussen ist jedoch falsch.

Als eines der ersten Medien berichtete die „FAZ“ über die Studie und transportierte auch die von Gropp erhobenen Vorwürfe, dass Politiker „aktiv Gebrauch“ von ihren Positionen in den Sparkassen machten, um sich Vorteile bei Kommunalwahlen zu verschaffen, in dem sie mehr Kredite gewährten. Im Gegensatz zu anderen Medien verzichtete die „FAZ“ bei ihrer Berichterstattung allerdings auf eine Einschätzung des DSGV zu diesen nicht unerheblichen Vorwürfen.

Dabei gibt es bereits seit geraumer Zeit unabhängige wissenschaftliche Studien, die zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen. Diese Studien werden von Gropp und seinem Co-Autor Saadi nicht zitiert, obwohl sie bereits prominent veröffentlicht worden sind. So haben beispielsweise die Autoren Behr/Norden/Noth in ihrer Studie bestätigt, dass kein politischer Einfluss auf das Kreditvergabeverhalten der Sparkassen sichtbar ist. Hierzu wurden Jahre mit und ohne Kommunalwahlen ausgewertet. Die Unterschiede waren nicht signifikant. Vielmehr bestätigt die Studie, dass die über 400 deutschen Sparkassen einen besonders wertvollen Beitrag zur Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen leisten. In einem aktuellen Diskussionspapier der Deutschen Bundesbank wird die Kreditvergabe an Unternehmen und deren Verknüpfung mit dem Banktyp und dem Wirtschaftszyklus untersucht. Auch in dieser Studie erscheint der politische Einfluss auf die Kreditvergabe als nicht relevant.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Professor Gropp selbst vor wenigen Jahren an einer Studie mitgewirkt hat, die ebenfalls zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt: In einem Working Paper aus 2012 haben Gropp/Gruendl/Guettler bereits selbst festgestellt, dass keine Evidenz dahingehend besteht, dass Sparkassen einem besonderen politischen Druck zur Ausweitung des Kreditangebots ausgesetzt sind. Auch diese frühere eigene Studie zitiert Gropp in seiner aktuellen IWH-Studie nicht.

Die IWH-Studie  ist offenbar alles andere als wasserdicht. Eine erste Überprüfung durch den DSGV hat einige methodische Fehler aufgedeckt:

  • Die Studie des IWH hat für die Analyse einen Zeitraum von maximal zwei Kommunalwahlzyklen abgedeckt. Das ist zu wenig, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu gelangen.
  • Die Autoren der IWH-Studie rechneten offenbar mit der Veränderung an Kreditbeständen insgesamt- also einschließlich privater Haushalte. Dies stellt aber nur eine grobe Annäherung an die Realität dar. Aussagekräftig wäre für die Studie nur das Neugeschäft bei Firmenkrediten.
  • Die Herleitung einer Vergabe „fauler“ Kredite in Wahljahren aus einem politischen Zyklus bei Risikovorsorge und Zinserträgen ist falsch. Sollten tatsächlich in Wahljahren mehr „faule“ Kredite vergeben werden, würde sich dies nicht ausschließlich in der Risikovorsorge im zweiten Jahr nach der Wahl zeigen, sondern über viele Jahre in den Bilanzen sichtbar werden. Gleiches gilt für eine etwaige Belastung des Zinsertrags.
  • Abschreibungen und Wertberichtigungen zählen überhaupt nicht zum Zinsergebnis. Allenfalls kann hier an den Ausfall von Zinszahlungen gedacht werden. Im Zinsergebnis spiegelt sich auch das Privatkundengeschäft oder das Depot-A-Geschäft wider.
  • Das Zinsergebnis wird nach Untersuchungen der Deutschen Bundesbank vor allem durch den allgemeinen Zinszyklus bestimmt- gerade diese Kontrollvariable fehlt aber in der Untersuchung von Gropp.
  • Offensichtlich wurden durch die Autoren Professor Gropp und Saadi statistische Fehler überinterpretiert: 7,6 Millionen Euro mehr Kreditvolumen pro Sparkasse in einem Wahljahr bedeutet in der Finanzierung von Industriearbeitsplätzen etwa einem Zuwachs von 30 pro Jahr. Es ist nicht plausibel, wie ein Kommunalwahlkampf durch einen derartigen Zuwachs an Beschäftigung in irgendeiner Weise beeinflusst werden könnte.

Diesen Artikel kommentieren

Weitere Artikel zu diesem Thema