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Trump, Brexit, Populisten: Quo vadis Weltwirtschaft?

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Von 3,1 auf 3,4 Prozent soll das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr steigen. 2018 geht der IWF sogar von einem Wachstum von 3,6 Prozent aus. „Das Jahr startet durchaus mit Rückenwind. Auf globaler Ebene gibt es viele Anzeichen dafür, dass sich die Erholung fortsetzt“, sagt Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Also rosige Zeiten für Unternehmen?

Wachstum in China und den USA prognostiziert

Unter den großen Schwellenländern stellt der IWF der Volksrepublik China wieder größere Wachstumschancen in Aussicht. Er rechnet mit einem Anstieg von 6,5 Prozent. Das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als in der Prognose aus dem Oktober 2016.

Aber auch die USA könnten davon profitieren, dass unter dem neuen Präsidenten Donald Trump nun erstmals seit sechs Jahren das Weiße Haus und der Kongress wieder von einer Partei dominiert werden. Trump hatte bereits vor seinem Amtsantritt angekündigt, verstärkt in die Infrastruktur und den Binnenmarkt investieren zu wollen. Seine Vorhaben wird er zunächst also einfacher durchbekommen als sein Vorgänger Barack Obama. Das kann sich ab November 2018 wieder ändern, wenn der Kongress das nächste Mal neu gewählt wird.

Zieht die Wirtschaft an, steigt in der Regel auch der Ölpreis. Die Konjunkturprognose 2017 der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe geht in diesem Jahr im Mittel von einem Rohölpreis von 52 US-Dollar pro Barrel der Sorte Brent aus. Damit läge er deutlich über dem Mittelwert von 2016. Und das schlägt sich schnell auch in einer steigenden Inflation nieder: Mit 1,7 Prozent war sie im Dezember 2016 so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr in Deutschland.

Dass die Deflationsängste erst einmal vom Tisch sein dürften, stellt die Fortführung der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) immer mehr in Frage. „Die Notwendigkeit für die derzeitige Geldpolitik nimmt stetig ab, die Nachteile für die Sparer steigen“, sagt Fahrenschon. Trotzdem werde sie ihr Ankaufprogramm voraussichtlich bis Ende 2017 durchziehen.

Wirtschaft auf wackligen Füßen

Trotz der überwiegend positiven Vorzeichen für die Wirtschaft bestehen noch immer Risiken. „Es ist weiterhin Vorsicht geboten, da Schwellenländer mit hoher Auslandsverschuldung jetzt besonders anfällig sind“, erklärt der DSGV-Präsident. „Währungsturbulenzen haben sich in den vergangenen Wochen schon in recht dramatischer Weise bei der türkischen Lira gezeigt – natürlich nicht nur von Wirtschaftslage und Zins ausgelöst, sondern maßgeblich vom dortigen politischen Kurs.“

Auch hinsichtlich der chinesischen Wirtschaft blieben durchaus Fragezeichen bestehen. Die immer noch sehr hohen, aber im vergangenen Jahr um rund ein Viertel abgeschmolzenen Devisenreserven Chinas (von ca. vier auf drei Billionen US- Dollar im Bestand) spiegelten kritische Kapitalabflüsse wider.

„Der Druck auf die Schwellenländer könnte sich noch erhöhen, wenn die US-Zinsen weiter steigen“, so Fahrenschon. In den USA erwarten die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe zwei Leitzinsanhebungsschritte der Federal Reserve (Fed) im Jahresverlauf. Sie wären als Signal zu verstehen, dass die Fed ein robustes Wirtschaftswachstum in den USA erwartet. Umgekehrt würde der Dollarkurs dadurch voraussichtlich weiter steigen, was dem Export von US-Firmen schaden könnte. Exportorientierte Unternehmen aus der Eurozone hingegen würden von einem starken Dollar profitieren.

Ein richtungsweisendes Jahr

2017 stehen gleich mehrere unkalkulierbare Entwicklungen an: In welche Richtung driften die ? Welche Auswirkungen wird der Brexit auf den Handel mit Großbritannien haben? Und welche politischen Veränderungen werden die Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland nach sich ziehen?

In ihren Prognosen gehen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe davon aus, dass sich trotz des zunehmenden Populismus der gesunde Menschenverstand durchsetzt. „Wir unterstellen, dass die im Detail sicherlich zu kritisierende Europäische Union und die Währungsunion Bestand haben“, erläutert DSGV-Präsident Fahrenschon. „Die politischen Entscheidungsträger sollten jedoch den Vertrauensverlust von Wählern in die Union, der derzeit in vielen Ländern zu vernehmen ist, nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich merke hier nur an: Eine nachhaltige EU ist nicht gleichzusetzen mit zunehmendem Einfluss einer zentralisierten Union oder gar neu eingeführten EU-Institutionen.“

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