weitere Artikel

Sparkassen in anderen Ländern: Peru

Bewertung

Zwischen März und November ist Trockenzeit im Hochland von Peru und das Milchvieh muss sich mühen, genug Futter zu bekommen. Auch nördlich der alten Inkahauptstadt Cusco sind die Weiden abgegrast.

Ein anderes Bild präsentiert sich im Stall von Sixto Villavicencio im Ort Zurite. Dort stehen 26 kerngesunde Rinder und mampfen frischgrüne Luzerne aus eigenem Anbau. 25 Liter Milch gibt jede Kuh pro Tag, dreimal mehr als die ausgemergelten Tiere der Nachbarn. „Wir konnten unsere Erträge ständig verbessern, weil wir auf die Unterstützung der ‚Caja‘ zählen können“, sagt der 67-Jährige Milchbauer. Seit bald drei Jahrzehnten ist er Kunde der „Caja Municipal de Ahorro y Crédito de Cusco S.A.“, der kommunalen Sparkasse der Region Cusco.

Seine Geschichte ist durchaus typisch. Nach der Landreform in den 1970er Jahren kam er zu einer Mini-Parzelle –  ohne Produktionsmittel, ohne Kapital und ohne Kredit. Mit fünf Kühen fing er an. Der ärmliche Lehmziegelbau, in dem die Familie damals hauste, ist heute ein Geräteschuppen inmitten des Ensembles aus zwei großen Ställen, einem zweistöckigen Wohnhaus. „Vieles von dem, was ich heute habe, verdanke ich der ‚Caja‘“, sagt der siebenfache Vater.

Zunächst waren es Kredite für Futtermittel, die ihn über die Trockenzeit brachten, umgerechnet ein- bis zweitausend Euro. Die „Caja“ half beim Bau der Ställe, der Anschaffung der Melkmaschine, des Lastwagens – und auch beim Zukauf von Land. Inzwischen sind aus der Kleinparzelle sieben Hektar geworden. Er konnte kürzlich einen festen Liefervertrag mit einem Molkereikonzern abschließen, der würde auch gern die doppelte Menge abnehmen. „Mit dem Liefervertrag im Rücken werden wir jetzt mit der ‚Caja‘ über einen neuen Stall reden.”

Erfolgsgeschichten wie diese wollten die Gründerväter des peruanischen Sparkassenwesens anstoßen, als sie 1982 die ersten „Caja Municipal“ im nordperuanischen Piura eröffneten. Wirtschaftskrise und der Guerillakrieg des „Leuchtenden Pfades“ setzten allen Gewerbetreibenden zu, außerhalb der Hauptstadt gab es kaum Kredit, bis der Anschub aus Deutschland kam.

Die damalige Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) unterstützten den Aufbau der peruanischen Sparkassen. Insgesamt flossen 14,6 Millionen Mark an Fördergeldern, also etwa 7,5 Millionen Euro. Der DSGV und die Sparkassenstiftung entwickelten das Konzept zur Gründung von Cajas Municipales und koordinierten dessen inhaltliche Umsetzung. Außerdem half der DSGV beim Aufbau des peruanischen Sparkassenverbandes FEPCMAC. Deutsche Sparkassen bildeten damals 30 peruanische Praktikanten aus, die in Deutschland alle relevanten Abläufe kennenlernten, mit dem erklärten Ziel, dieses Wissen daheim zu applizieren.

Vielen Dank an Andreas Fink, der für uns nach Lima gereist ist und diese Reportage geschrieben hat!

 

Unsere Pressemitteilungen anlässlich der Herbsttagung von IWF und Weltbank finden Sie hier zum Download:

Weitere Artikel zu diesem Thema