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Trends und Perspektiven: Maschinenbau

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Autor

Sebastian Kral

Die Digitalisierung ist wohl die fundamentalste Änderung, mit der sich die Wirtschaft seit langem befassen muss. Während die vorherigen industriellen Revolutionen zunächst nur wenige Branchen berührt haben, sprengt die Digitalisierung hingegen die Grenzen zwischen einer Vielzahl von Sektoren. Smarte Produkte, die durch die Ausstattung mit Sensoren ständig mit dem Internet verbunden sind, erzeugen den neuen Rohstoff des 21. Jahrhunderts – (smarte) Daten. Während die Beherrschung physischer Rohstoffe und deren Weiterverarbeitung in hochpräzise Produkte und Anlagen eine Spezialität der deutschen Industrie ist, werden die Karten in der Cybersphäre völlig neu gemischt.

Aus Feinden werden Freunde: Frenemy

Hersteller physischer Produkte, die IT-Branche und neue Marktteilnehmer werden eine Symbiose bilden. Ob im Team oder als Konkurrent. Manchmal auch beides: Frenemy ist das neue Schlagwort. Die Unternehmen müssen sich fragen, welche Daten die smarten Produkte produzieren, wer diese Daten wie erhebt (Stichwort Cloud), wie diese genutzt und verarbeitet werden, welche strategische Relevanz diese in der Kundenbeziehung haben.
Denn wie mit den Rohstoffen des vergangenen Jahrhunderts lassen sich mit den neuen Rohstoffen erhebliche Umsätze machen. Allbekannt ist diese Thematik aus dem Konsumentenbereich. Facebook, Google und Co. verdienen prächtig, in dem sie ihre Erkenntnisse über die User kommerziell nutzen. Ähnliche Ansätze werden sich auch bei dem Thema Digitalisierung im Verarbeitenden Gewerbe ergeben; in Deutschland häufig als Industrie 4.0 bezeichnet.

Potentiale zur Monetisierung 

Anfänglich wurden die Effizienzverbesserungen betont, die aus den neuen Möglichkeiten resultieren. Momentan werden eher die neuen Potentiale zur Monetisierung hervorgehoben.  Die Geld- und Warenströme und damit die Daten fließen heute relativ linear. Smart werden die Daten erst, wenn sie das ganze Wertschöpfungsnetzwerk betrachten. D. h. aber auch, dass der Anbieter der Dateninfrastruktur und -vermarktung auch das ganze Netzwerk bedienen muss. Dies dürfte für die meisten Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes eine eher ungewohnte Position sein. Vor allem weil die Daten teils sehr sensibel sind und daher nicht vor den Kunden und/oder der Konkurrenz offengelegt werden wollen. Des Weiteren müssen die Daten auch sinnvoll interpretiert werden. Wobei dies eine Domäne der herstellenden Unternehmen sein könnte, die die meiste Erfahrung mit der Interpretation der (eigenen) Daten haben sollte. Ebenso die langjährigen Kundenbeziehungen und der Ruf von Qualität und Zuverlässigkeit sind wesentliche Eckpunkte, die sich auch in die Cybersphäre übertragen lassen.

Neue Player aus dem IT-Bereich

Andererseits dringen viele neue Player gerade aus dem IT-Bereich in den Markt, die über Plattformansätze probieren, sich zwischen dem Hersteller und den Kunden zu schieben. Damit könnten sie große Teile der Wertschöpfung abfangen, weil das Wissen über die Systemzusammenhänge in dem Netzwerk einen noch nicht dagewesenen Mehrwert bringen kann. Gerade deren Erfahrungen im Management großer Datenmengen und in der Entwicklung von entsprechenden Geschäftsmodellen bringen Vorteile. Man stelle sich vor ein Anbieter weiß an welcher Stelle am Acker wieviel und zu welcher Zeit ausgesät und geerntet worden ist, welcher Ertrag diese Stelle gebracht hat, wieviel gedüngt und gespritzt wurde und wie das Wetter war. Diese Informationen wären sowohl für den Landwirt, den Maschinenhersteller, das Saat- und Düngemittelunternehmen sehr wertvolle Hinweise. Das Rennen bleibt spannend, nur eins ist sicher: Alles wird smarter.

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