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US-Wahlen: Geldpolitik und Nachhaltigkeit – was dürfen wir erwarten?

Bewertung

Geldpolitik, Energie- und Klimapolitik und Globalisierung sind nicht nur Themen die in europäischen Wahlkämpfen debattiert werden. Im zweiten Teil unserer Serie haben die DSGV-Volkswirte die Positionen der beiden Kandidaten zu den wichtigsten globalen Themen verglichen.

Geldpolitik

Vor dem Hintergrund der hohen Staatsverschuldung wäre auch ein Wahlsieg Trumps für die Geldpolitik nicht uner­heblich. Insgesamt ziehen aktuell die Preise wieder an. Verstärkte protektionistische Maßnahmen werden weitere Beschleunigung des US-Preisauftriebs als Konsequenz haben. Zudem hat Trump im Wahlkampf deutlich gemacht, dass er die Amtszeit von Fed-Chef Yellen, die Anfang 2018 endet, nicht verlängern will. Das kann dazu führen, dass die Fed  stärker politisch agieren muss und nicht nur den unabhängigen Blick einer Notenbank walten lassen kann. Dennoch haben sich beide Kandidaten mit Äußerungen zur Geldpolitik weitgehend zurückgehalten, so dass hier keine abschließende Aussage getroffen werden kann.

Energie- und Klimapolitik

In Puncto nachhaltigkeitsrelevanter Politikfelder wie Energie- und Klimapoli­tik sind die USA bislang eine wichtige globale Stimme. Das Thema Nachhaltigkeit wird üblicherweise von den Demokraten besetzt. Clinton hat es als klares Ziel definiert, die USA auch zur Weltmacht der sauberen Energie zu machen. Den Klimawandel betrachtet sie als nach­haltige Bedrohung für die kommenden Generationen. Unterdessen will Trump die USA energietechnisch unabhängig machen und die Energiepreise senken. Diese Ziele will er mittels einer Renaissance der Kohleenergie und der Ausbeutung natürlicher Ressourcen in den USA erreichen. Insofern werden vor allem der Trump-Politik deutli­che Auswirkungen auf die relativen Preise zwischen den Energieträgern und auch auf die Infla­tion als solche zugeschrieben. Nimmt die Inflation zu, dürfte dies die Preise für andere Assets, wie beispielsweise Gold, beflügeln. Die Mengenziele des Klimagipfels in Paris haben im Kern keine Bedeutung für Trump. Unbestritten spielen auch hier Erwartungen und Unsicherheiten eine Rolle. Klima- und Energiepolitik und der Kampf gegen den Klimawandel sind ein klarer Faktor für Unsicherheit. Wenn die Weltmacht USA hier das Ziel aus den Augen verliert, kann das Einfluss auf die globale Stabilität haben.

Droht die Globalisierungspause?

Beide Präsidentschaftskandidaten betonen den Konflikt zwischen lokalem und globalem Geschehen, möchten aber die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten wieder mehr in den Vordergrund stellen. Insgesamt zeigen sich sowohl Clinton als auch Trump sehr kritisch gegenüber Frei­handelsabkommen und Handelsverträgen. Während Clinton eher umfassend über Subven­tionen die heimische Produktion stärken möchte, setzt Trump mehr auf Abschottung. Beide lehnen die Handelsabkommen mit dem Pazifikraum (TPP) als auch mit der EU (TTIP) ab. Ins­besondere für Deutschland als sehr handelsintensive und offene Volkswirtschaft wäre die zunehmende Abschottung der USA ein harter Schlag. Insgesamt ist daher nach der Wahl eher mit einer „Globalisierungspause“ zu rechnen.

Donald Trumps Skepsis gegenüber dem Rest der Welt zeigt sich allerdings nicht nur in wirt­schaftlichen, sondern auch in außenpolitischen Fragestellungen. Er hat es zum erklärten Ziel gemacht, die Grenze nach Mexico endgültig mit „einem Mauerbau“ zu schließen und auch die Einwanderung aus anderen Ländern zu erschweren. Der von ihm anvisierte Rück­zug der USA aus den Krisenregionen der Welt und Rücknahme der Verantwortlichkeiten könnte nicht nur für Europa gravierende negative Folgen haben, sondern sich wiederum fatal auf Erwartungen und die weltweite Stabilität auswirken.

Mehr denn je ist mit Blick auf diese Wahl in Frage zu stellen, wie die USA ihrer Verantwortung als „Global Guard“ gerecht werden wollen und die nachhaltige, stabile Entwicklung der Weltwirtschaft und -politik im Blick behalten werden.

Wie reagieren die Finanzmärkte auf das Wahlergebnis?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Wahl Trumps wird aller Voraussicht nach zu Unsicherheiten auf den Märkten führen, wohingegen bei einer  Wahl Clintons keine größeren Auswirkungen zu erwarten sind. Unabhängig vom Wahlausgang ist die starke US-Staatsverschuldung ein Damoklesschwert für die internationale Weltwirtschaft. Beide Kandidaten favorisieren aber eine Globalisierungspause, was gegebenenfalls die internationalen Wirtschaftsbeziehungen beeinflussen könnte.

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