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Zeit zu handeln: Warum der Staat Wohneigentum stärker unterstützen sollte

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Warum ist die Förderung von Wohneigentum so wichtig?

Breite Bevölkerungsgruppen dabei zu fördern, Vermögen aufzubauen, ist ein wichtiger Bestandteil der sozialen Marktwirtschaft. Sie wirkt sozialer Ungleichheit entgegen und stärkt damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ein wesentlicher Grundstein der Vermögenbildung ist selbstgenutztes Wohneigentum.

Studien zeigen, dass Haushalte, die auf die eigenen vier Wände sparen beziehungsweise ihre Immobilienfinanzierung bereits tilgen, im Vergleich zu Mieterhaushalten ein Vielfaches an Vermögen aufbauen. So verfügen beispielsweise Eigenheimbesitzer im Alter zwischen 50 und 59 Jahren über knapp das sechsfache Vermögen im Vergleich zu Mietern in der gleichen Einkommensschicht. Darunter fällt nicht allein der Wert der Immobilie: Eigenheimbesitzer zeigen generell eine höhere Sparbereitschaft. Sie nehmen weniger Konsumkredite auf und sorgen finanziell vor für notwendige Reparaturen oder Modernisierungen (Quelle: empirica/LBS Research).

Aufgrund der aktuell sehr niedrigen Zinsen und der geringen Renditen bei klassischen Sparprodukten gewinnt die Investition in die eigene Immobilie zusätzlich an Bedeutung. 54 Prozent der Deutschen sehen die eigene Immobilie als geeignete Möglichkeit zum Vermögensaufbau (Quelle: Vermögensbarometer 2017). Wohneigentum gilt im Niedrigzinsumfeld zudem als besonders gute Form der Altersvorsorge. Eigentümer einer abgezahlten Immobilie haben schließlich im Alter bedeutend weniger Ausgaben als Mieter.

Die Förderung von Wohneigentum beugt jedoch nicht nur Altersarmut vor. Sie sorgt gleichzeitig für eine Entspannung auf den Mietmärkten, was insbesondere in Großstädten und wirtschaftlich starken Regionen hilfreich ist. Durch mehr Eigenheimbesitzer wären mehr freie Wohnungen verfügbar, was sich wiederum positiv auf die Mietpreise auswirken würde.

Der sogenannte Sickereffekt besagt: Wenn gut verdienende Haushalte hochwertigere Wohnungen beziehen, machen sie anderswo eine weniger hochwertige Wohnung frei. Eine Studie belegt, dass mit einem Einzug in ein Eigenheim sogar eine ganze Umzugskette ausgelöst wird und sich die Wohnsituation von etwa 3 Haushalten verbessert (Quelle: empirica/LBS West).

 

Die Wohneigentumsbildung kommt einfach nicht voran

Allen positiven Effekten von Wohneigentum und den derzeitig günstigen Finanzierungsbedingungen zum Trotz – die Eigenheimquote stagniert in Deutschland. Seit mehreren Jahren liegt der Anteil der Haushalte, die in den eigenen vier Wänden wohnen, bei 45 Prozent (Quelle: Euroconstruct / Ifo).

Damit ist Deutschland gemeinsam mit der Schweiz Schlusslicht in Europa. In Frankreich beträgt die Eigenheimquote beispielsweise 58 Prozent, in Großbritannien 63 Prozent und in Norwegen sogar stolze 80 Prozent (Quelle: Euroconstruct / Ifo).

Zudem ist aktuell das Interesse rückläufig, eine eigene Immobilie zu erwerben. Nur noch 23 Prozent der Deutschen zwischen 20 und 50 Jahren planen derzeit den Kauf eines Eigenheims. 2016 waren es noch 30 Prozent (Quelle: Vermögensbarometer 2017).

Eine Ursache für die Zurückhaltung sind die kräftig gestiegenen Immobilienpreise der vergangenen Jahre. In einigen Regionen ist es für Normalverdiener und besonders für junge Familien kaum noch möglich, sich den Traum der eigenen vier Wände zu verwirklichen.

Eine weitere Folge der hohen Immobilienpreise ist, dass Menschen immer später ein Eigenheim erwerben. In jungen Jahren reicht das Eigenkapital oft nicht aus. Je höher das Alter der Käufer oder Bauherren, desto höher ist jedoch auch der finanzielle Druck: Es müssen höhere Tilgungen geleistet werden, um bis zum Rentenalter schuldenfrei zu sein.

 

So kann Wohneigentum besser gefördert werden

Die Sparkassen-Finanzgruppe tritt dafür ein, dass die Vermögensbildung durch Wohneigentum in Deutschland wieder gestärkt wird. Im Folgenden werden verschiedene Fördermöglichkeiten vorgestellt.

 

Zuschüsse für Bauherren und Käufer

Um der angespannten Wohnungsmarktlage entgegenzuwirken, ist eine Ausweitung des Angebots an Wohnraum nötig. Dabei sollte jedoch nicht nur auf den Neubau von Mietwohnungen, sondern auch auf die Schaffung von Wohneigentum gesetzt werden.

Zuschüsse für Bauherren und Käufer sind dabei die erste Wahl – möglichst ergänzt um eine familienpolitische Komponente. Die vor der Bundestagswahl von verschiedenen Parteien diskutierten Modelle des Baukindergelds und Familienbaugelds sind mögliche Ansätze.

 

Anpassung bereits bestehender Förderinstrumente

Viele ehemals wirksame Förderinstrumente wurden seit Jahrzehnten nicht mehr an die Entwicklung der Preise und Gehälter angepasst. Das sorgt dafür, dass selbst viele Berufseinsteiger die Einkommensgrenzen übersteigen und keine Förderungen erhalten können.

Die Wohnungsbauprämie galt früher als der wichtigste Sparanreiz fürs Eigenheim. Die Einkommensgrenze bei Ledigen liegt aktuell bei 25.600 Euro (bezieht sich auf das zu versteuernde Einkommen) und die maximale Prämie bei 45 Euro jährlich. Beide blieben seit 20 Jahren unverändert.

Das gleiche Problem existiert bei der Arbeitnehmersparzulage. Sparer, die ihre vermögenswirksamen Leistungen in einen Bausparvertrag einzahlen, sind lediglich bis zu einem Einkommen von 17.900 Euro förderberechtigt. Die maximale Zulage von 43 Euro stellt keinen substanziellen Sparanreiz dar.

Aus diesen Gründen setzt sich die Sparkassen-Finanzgruppe für eine Überarbeitung des Vermögensbildungsgesetzes von 1994 und für eine signifikante Anhebung der Einkommensgrenzen sowie Fördersätze ein.

 

Mögliche Senkung der Grunderwerbsteuer

Zusätzlich zu stärkeren Sparanreizen müssen die Belastungen für Käufer und Bauherren abgebaut werden. Die Grunderwerbsteuer beträgt je nach Bundesland zwischen 3,5 Prozent und 6,5 Prozent des Kaufpreises. Sie stellt damit mittlerweile eine beträchtliche Hürde für Immobilieninteressierte dar. Die Sparkassen sprechen sich deshalb für eine Senkung der Grunderwerbsteuer aus.

 

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