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Zehn Jahre nach Lehman: Kundennahe Geschäftsmodelle machen den deutschen Finanzmarkt stark

Bewertung

Zehn Jahre nach der Insolvenz der Investmentbank “Lehman Brothers” sind die Nachwirkungen der globalen Finanzkrise auch in Deutschland immer noch spürbar. Sie zeigen sich an den Auswirkungen einer expansiven Geldpolitik, an einem geringeren Zutrauen in staatliche Institutionen und finanzwirtschaftliche Akteure, aber auch an konkreten Zukunftssorgen der Menschen – trotz anhaltend guter Wirtschaftsdaten.

Die Schockwellen der globalen Krise haben damals auch Deutschland erreicht – und die Sparkassen haben damals viel von diesem Schock abgefedert. Unternehmen suchten regelrecht Schutz in der Kreditbeziehung mit ihrer Sparkasse vor Ort. Und private Kunden brachten dort ihre Einlagen in Sicherheit.

Das hat gezeigt: Deutschland braucht ein Bankensystem, das auch in Krisen handlungsfähig ist. In der letzten Krise waren dies vor allem die kleinen, lokalen Kreditinstitute. Ihre Stärke zu erhalten, ist wesentlich für die Leistungskraft des Finanzplatzes Deutschland.

Einer der stabilsten und leistungsfähigsten Finanzmärkte

Die Vielfalt der Geschäftsmodelle ist eine besondere Stärke des deutschen Bankenmarkts. Sie ermöglicht:

  • eine leistungsfähige Zahlungsinfrastruktur jenseits von Kreditkarten
  • eine wertige Finanzberatung in der Fläche des Landes
  • verlässlichen Zugang zu Investitionskrediten für die mittelständische Wirtschaft
  • und moderate Preise für Finanzdienstleistungen – auch im europäischen Vergleich.

Deutschland hat damit längst erreicht, was Länder weltweit als politisches Ziel formulieren: „Financial inclusion“, also den ungehinderten Zugang zu Finanzdienstleistungen, unabhängig vom Vermögen oder sozialen Status. Gerade die Unterschiedlichkeit der Geschäftsmodelle ist also eine große Stärke. Und dazu gehören in einem Europa verschiedener Nationalstaaten durchaus auch strukturelle Unterschiede – wie etwa unterschiedliche Rechtsformen oder Einlagensicherungssysteme.

Den deutschen Finanzplatz selbstbewusst vertreten – Vielfalt fördern

Den Jahrestag der Krise nehmen manche Beobachter zum Anlass, einzelne Geschäftsmodelle in der deutschen Kreditwirtschaft kritisch zu hinterfragen. Vor allem drei Argumente werden ins Feld geführt:

Erstens geht es um die Frage, ob vielleicht noch mehr reguliert werden müsste – und wenn ja, wo.

Richtig ist, dass strengere Vorgaben für die Kapitalausstattung die Banken sicherer gemacht haben. Doch Banken müssen nicht nur sicher sein, sie müssen auch unternehmerisch arbeiten können, um ertragreich zu sein. An jedem Girokonto hängt heute ein Regulierungsaufwand in Brockhaus-Stärke. Das ist eine Last für Verbraucher – und für kundennahe Geschäftsmodelle. Deshalb sollten Übermaß und Widersprüche in der Regulierung geprüft und die Vorgaben mit mehr Augenmaß weiter entwickelt werden.

Zweitens wird gefragt, ob die Innovationskraft der Banken ausreicht, um sich gegen den technischen Vorsprung der Internetgiganten wirksam zu behaupten.

Es stimmt, dass sich mit der Ausforschung von Daten ohne Wissen oder Zustimmung der Kunden viel Geld verdienen lässt. Doch digitale Geschäftsmodelle sollten den Schutz von Kundendaten in den Mittelpunkt stellen. Das ist der Weg der Sparkassen. Um diesen Weg erfolgreich weiter gehen zu können, benötigen insbesondere Verbünde mehr Raum im deutschen und europäischen Kartell- und Wettbewerbsrecht, das bislang die Internetgiganten begünstigt. Die Regulierung digitaler Geschäftsmodelle muss zudem technologieneutral erfolgen.

Und drittens heißt es plötzlich wieder, dass es in Deutschland zu viele Banken, also zu viel Wettbewerb gäbe.

Doch aus Sicht der Kunden ist genau dieser Wettbewerb unterschiedlicher Strukturen und Geschäftsmodelle von Vorteil. Denn er sichert der breiten Bevölkerung fast ungehinderten Zugang zu Finanzdienstleistungen und sorgt auch für gesamtwirtschaftliche Stabilität.

Sparkassen zum Beispiel machen aus Einlagen Kredite, und aus Krediten Wachstum für alle. Das können reine Bezahlanbieter nicht. Und die Verbünde sorgen maßgeblich dafür, dass überhaupt erst ein exportfähiger Mittelstand in Deutschland entsteht – und zwar jede Generation wieder. Das macht unsere Volkswirtschaft international zum Champion.

Mehr Augenmaß in der Regulierung stärkt kundennahe Geschäftsmodelle

Deshalb ist es aus Sicht der Sparkassen sinnvoll und gerechtfertigt, die Besonderheiten des deutschen Finanzmarkts insgesamt als Stärken zu begreifen und auch im europäischen Kontext selbstbewusster zu vertreten.

Dazu gehört neben einer Stärkung des Finanzplatzes Deutschland im Zuge des Brexit vor allem mehr Augenmaß in der Regulierung – nicht nur im Meldewesen oder in der Banksteuerung, sondern eben auch im Verbraucher- und Steuerrecht oder in den Vorgaben zur Anlageberatung.

Fazit

In Deutschland sind es vor allem die kundennahen Geschäftsmodelle der dezentralen Verbünde, die den Standort Deutschland und seine typisch mittelständische Wirtschaftsstruktur krisenfest gemacht haben. Es ist gut, dass die Politik die Finanzwirtschaft als „standortrelevant“ wiederentdeckt. Es wäre folgerichtig, eine wichtige Lehre der Finanzkrise in diese Neuentdeckung einzubeziehen: Tragfähige Geschäftsmodelle entstehen nicht am Reißbrett, sondern aus einer tiefen Verankerung in Wirtschaft und Gesellschaft. Sie brauchen Rahmenbedingungen, in denen sie auch weiterhin für wirtschaftliche Dynamik und gesellschaftliche Stabilität gleichermaßen sorgen können.

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